Signor Rossi sucht das Glück – warum Hundehalter gar nicht lange suchen müssen

Kennen Sie noch die Zeichentrickserie über Signor Rossi und seinen Hund Gaston aus den

70-er Jahren? Signor Rossi, gestresst von seinem cholerischen Chef, seiner eintönigen Arbeit und dem ständigen Gebell von Gaston, geht auf Reisen, um sein Glück zu finden. Auf diesen Reisen begleitet ihn Gaston, und gemeinsam müssen die beiden viele Abenteuer bestehen. Auch wenn Signor Rossi unterwegs sein Glück nicht findet, so entwickelt sich doch eine tiefe Freundschaft zwischen ihm und seinem treuen Hund.

Liegt nicht im Zusammenleben mit unseren Hunden das Glück? Können wir Hundehalter uns nicht glücklich schätzen, dass unsere Vierbeiner uns ein Stück des Weges begleiten?

Nun werden sicher einige Leser dieses Artikels aufstöhnen und denken: „Wie soll ich glücklich sein, wenn mein Hund Radfahrer jagt, die teuersten Schuhe zerlegt, sich hingebungsvoll in saftigen Kuhfladen wälzt, den Nachbarn verbellt und sich im Garten unterm Zaun durchbuddelt?“

Nun, vielleicht ist es eine Sache der Perspektive! Betrachten wir das Thema einmal aus dem Blickwinkel der sogenannten „Positiven Psychologie“.

In der Humanpsychologie hat die Strömung der „Positiven Psychologie“ längst Einzug gehalten: In diesem ressourcenorientierten Ansatz geht es nicht um die Schwächen und „Fehler“ des Menschen, sondern darum, was ihm gut tut, stärkt und letztendlich seine Lebensqualität erhöht.

Die moderne Hundepsychologie zeigt, dass sich die „Positive Psychologie“ auch bei unseren Vierbeinern anwenden lässt und Mensch und Tier davon profitieren können. „Glückliche Hunde sind gesünder, gelassener gegenüber alltäglichen Herausforderungen, lassen sich seltener aus der Bahn werfen, zeigen weniger Problemverhalten“ (Hense u. Sondermann, 2014, S. 13).

Dies bedeutet nun nicht, dass Sie künftig großzügig über das unerwünschte Verhalten Ihres Hundes hinwegsehen und er z.B. – glücklich und selbstvergessen – stundenlang im Wald seiner Jagdpassion frönt! Vielmehr finden Sie durch die „Positive Psychologie“ Möglichkeiten, das bisherige Verhaltenstraining Ihres Hundes zu unterstützen und zu ergänzen. Hierzu schwenken Sie den Fokus Ihrer Aufmerksamkeit von den „Fehlern“ und „Problemen“ Ihres Hundes auf seine Stärken und positiven Eigenschaften:

 

  • Ermöglichen Sie Ihrem Hund, so häufig wie möglich angenehme Gefühle wie Freude und Erfolg zu erleben.
  • Fördern Sie die besonderen Fähigkeiten Ihres Hundes durch z.B. Suchspiele oder Denksportaufgaben.
  • Schenken Sie Ihrem Hund ein positives soziales Umfeld, in dem für seine artgerechte Haltung, Geborgenheit und ein freundliches Miteinander gesorgt ist.

Während anhaltender körperlicher oder seelischer Stress sowie wiederholte Frustration Ihres Hundes zu Krankheit, Angst, Depression oder aggressivem Verhalten führen können, verbessert die „Positive Psychologie“ die Beziehung zwischen Mensch und Tier, steigert die Ausgeglichenheit und Gelassenheit Ihres Hundes, vergrößert seine Lebensfreude und Problemlösefähigkeiten und stärkt letztendlich die Kooperationsbereitschaft Ihres Vierbeiners. Ein zufriedener und entspannter Hund trainiert gerne mit seiner Bezugsperson! Und vielleicht werden Sie auf diese Weise Ihr ursprüngliches Verhaltenstraining reduzieren können, da Ihr Hund das unerwünschte Verhalten nur noch selten oder sogar gar nicht mehr zeigt.

Vermeiden Sie - so gut es geht - unnötigen Stress, Frust und Perfektionismus und bieten Sie überzogenen Erwartungen Außenstehender die Stirn. Setzen Sie vielmehr im Sinne der „Positiven Psychologie“ auf ein freudvolles Miteinander mit Ihrem Hund!

Und sicher haben Sie es schon bemerkt: Die „Positive Psychologie“ beruht auf Gegenseitigkeit: Wenn Ihr Hund bei gemeinsamen Aktivitäten mit Ihnen glücklich ist, werden Sie es auch sein – und wenn Sie die gemeinsame Zeit mit Ihrem Hund genießen, wird er dies auch tun.

Vertiefende Literatur:

Hense, M. & Sondermann, C. (2014). Perspektivwechsel. Positive Psychologie für Hunde. Schwarzenbek: Cadmos Verlag

Bradshaw, J. (2012). HundeVerstand. Nerdlen/Daun: Kynos Verlag

Beck, E. (2011). Wer denken will, muss fühlen. Mit Herz und Verstand zu einem besseren Umgang mit Hunden. Nerdlen/Daun: Kynos Verlag

 

© Janna Krebs, Hundetrainerin bei Couch & Körbchen http://blog.couch-und-koerbchen.de

Wir danken unserem Mitglied Janna Krebs für die Überlassung des Artikels!