„Kontaktlose“ Welpenstunden – ein sinnvoller Corona-Trend?!

Montag, 8 Februar, 2021

Ein Welpe ist eingezogen und natürlich soll er „ordentlich“ erzogen werden. In vielen Bundesländern und Gemeinden ist Hundetraining aber sowohl im Einzel- als auch im Gruppentraining untersagt.

Was also tun?!

Welpen und junge Hunde benötigten angemessene Sozialkontakte und Training. Aktuell werden daher immer mehr „kontaktlose“ Welpen- und Junghundegruppen nachgefragt und auch angeboten - oftmals inklusive Spielstunden zur „Sozialisierung“.

„Kontaktlos“ bedeutet, dass der Welpe/Junghund einer Hundeschule für eine Stunde übergeben wird und dort Training und Spielstunde stattfindet – ohne Besitzer*in. Allerdings i.d.R. auch ohne Eingewöhnung, wie beispielsweise in einer Hundepension oder Tagesbetreuung.

Ist das eine gute Idee?!

Ein Welpe hat gerade sein bekanntes Umfeld, seine Geschwister und alles was er kannte verloren und muss nun zu seinen neuen Bezugspersonen Vertrauen aufbauen. Das geschieht nicht nur im häuslichen Umfeld, sondern insbesondere auch bei außerhäuslichen Kontakten. Finden diese Kontakte nun ohne die Bezugspersonen statt, entzieht das dem jungen Hund erneut Sicherheit.

Lernen findet immer statt - nicht nur in der Trainingsstunde. Umso wichtiger ist es, dass der Welpe alle neuen Situationen, Eindrücke und Begegnungen möglichst positiv und zusammen mit seiner neu gewonnenen Familie kennen lernt. Es muss sich erst langsam eine sichere Bindung und Beziehung mit dem vierpfotigen Familienmitglied aufbauen. Eine Abgabe in „kontaktlose“ Welpenstunden ist daher kontraproduktiv

Hinzu kommt außerdem, dass der/die Hundehalter*in keine Kontrolle über das Geschehen dort in der Welpenstunde hat:

  • Wie wird mit dem Welpen umgegangen?
  • Welcher Trainingsansatz wird angewandt, um dem Welpen bestimmte Dinge „beizubringen“?
  • Findet der Welpe immer Sicherheit in für ihn bedrängenden Situationen?

Der/ die Besitzer*in lernen ebenfalls sehr viel in den Trainingsstunden. Das entfällt komplett. Sprich: Alle Übungen, die der Hund mit dem/ der Trainer*in lernt, funktionieren nicht automatisch mit den Bezugspersonen. Hunde Lernen im Kontext und der Kontext Besitzer*in fehlt.

Wie klappt es dennoch?

Die aktuelle Situation ist sehr herausfordernd! Und ja, Welpen und Junghunde brauchen ausgewogene Hundekontakte für eine gute Sozialisierung.

Aber! Diese Kontakte müssen mit den Besitzer*innen zusammen stattfinden! Sie sind der sichere Hafen für den Hund. Findet er einen Artgenossen zunächst unheimlich, so muss er Schutz bei seiner Bezugsperson finden. Ein/e Trainer*in allein kann dies in einer „kontaktlosen“ Welpenstunde schwer leisten, geschweige denn eine Gruppe spielender Hunde kontrollieren, lenken und anleiten, wie es notwendig wäre. Zudem ist der/ die Trainer*in eine/r Unbekannte*r für den Hund. Sowohl Welpe als auch junger Hund brauchen den Rückhalt ihrer bekannten Menschen, um zu einem gut sozialisierten und sicheren erwachsenen Hund heranwachsen zu können.

Natürlich ist es wichtig, dass ein Welpe in den ersten Wochen andere Hunde kennenlernt. Dabei geht Qualität immer vor Quantität! Schlechte Erfahrungen sollten bis zu einem Alter von 6 Monaten möglichst vermieden werden. Von 10 Hundebegegnungen sollten mindestens 8 ruhig und auch mit Distanz – also ohne direkten Kontakt – ablaufen. Die restlichen 2 sollten so gestaltet werden, dass andere Hunde nicht gleichbedeutend mit „Halligalli“ sind. 

Das ist auch jetzt auf Ihren täglichen Spaziergängen umsetzbar, ohne den Hund auch „nur“ für eine Stunde abzugeben. Zusätzlich kann und sollte die Online-Beratung einer seriösen Hundeschule in Anspruch genommen werden. Eine „kontaktlose“ Welpenstunde ist keine gute Alternative.

Verfasst für den IBH e.V. von: Heike Schuh – CaniSpeciale - www.canispeciale.de

Kompetente (Online-) Beratung finden Sie bei unseren Mitgliedern.

Text als PDF zum Download.

 

 

 

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